Glossar: Fachbegriffe verständlich erklärt
Rund um Knorpel und Arthrose fallen viele Fachbegriffe. Hier finden Sie die wichtigsten kurz und verständlich erklärt, von A wie Arthrose bis W wie WOMAC.
A · B · C · D · E · G · H · I · K · L · M · N · O · P · R · S · T · V · W
A
Abrasionsarthroplastik, operatives Verfahren, bei dem die geschädigte Knorpel-/Knochenoberfläche oberflächlich abgetragen wird, um eine Reparaturreaktion anzustoßen.
Adipokine, Botenstoffe, die das Fettgewebe ausschüttet (z. B. Leptin); teils entzündungsfördernd. Erklären, warum Übergewicht auch fernab der Belastung auf Gelenke wirkt.
AGEs (Advanced Glycation Endproducts), „Verzuckerungs-Endprodukte", die bei dauerhaft hohem Blutzucker entstehen, Gewebe versteifen und Knorpelabbau fördern.
aktivierte Arthrose, Arthrose-Schub mit entzündeter Gelenkinnenhaut (Synovitis), Schwellung und Überwärmung, im Gegensatz zur „ruhenden" Arthrose. Wichtig für die Therapiewahl (z. B. Kälte, Radiosynoviorthese).
allogen (Allograft), von einem fremden menschlichen Spender stammend, nicht vom Patienten selbst. Allogenes Knochen- oder Knorpelgewebe wird von Gewebebanken aufbereitet und bereitgestellt. Gegenbegriff: autolog.
Arthrose, verschleiß- und altersbegleitende Gelenkerkrankung; heute als Erkrankung des gesamten Gelenkorgans verstanden, nicht als reiner „Abrieb".
Arthroskopie, Gelenkspiegelung; minimalinvasiver Eingriff, mit dem der Knorpel direkt betrachtet und behandelt werden kann.
autolog, körpereigen, also vom Patienten selbst gewonnen (z. B. eigener Knochen, eigene Knorpelzellen). Vorteil: keine Abstoßung und kein Übertragungsrisiko. Gegenbegriff: allogen.
B
Bioprothese, anschauliche Bezeichnung für ein stabiles, im Gelenk verbleibendes Material (z. B. Polyacrylamid-Hydrogel).
Bioverfügbarkeit, wie gut ein Wirkstoff vom Körper tatsächlich aufgenommen wird. Erklärt, warum zwei Präparate mit derselben Substanz sehr unterschiedlich wirken können (z. B. Curcumin).
BMAC (bone marrow aspirate concentrate), aufkonzentriertes Knochenmarkaspirat, meist aus dem Beckenkamm gewonnen; enthält körpereigene regenerative Zellen und Wachstumsfaktoren und kann bei osteochondralen Defekten im Zuge des Knochenaufbaus als Zellquelle eingebracht werden.
BMS (bone marrow stimulation), knochenmarkstimulierende Techniken; Sammelbegriff für Verfahren wie die Mikrofrakturierung.
C
Chondrozyten, die Knorpelzellen; sie bilden und erhalten die Knorpelgrundsubstanz.
CRP (C-reaktives Protein), Entzündungsmarker im Blut.
D
Dysbiose, aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora.
E
EPA / DHA, die marinen Omega-3-Fettsäuren aus fettem Fisch und Algen.
EZM (extrazelluläre Matrix), die Grundsubstanz des Knorpels aus Wasser, Kollagen und Proteoglykanen.
G
Genikularnerven / -arterien, die kleinen Nerven bzw. Arterien rund um das Kniegelenk; Zielstrukturen der Radiofrequenzablation (Nerven) bzw. der Embolisation (Arterien).
H
HbA1c, Langzeit-Blutzuckerwert (etwa der letzten 8–12 Wochen).
Hyaliner Knorpel, der glatte, belastbare Gelenkknorpel, der die Knochenenden überzieht.
Hyaluronsäure, natürlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit; auch als Spritze zur „Viskosupplementation" eingesetzt.
I
ICRS, International Cartilage Regeneration & Joint Preservation Society; ihre Klassifikation teilt Knorpelschäden nach Tiefe und Ausmaß ein (Grad 0–4).
Interleukin-1 (IL-1), zentraler Entzündungsbotenstoff bei Arthrose; Angriffspunkt der Interleukin-Therapie.
K
Kellgren-Lawrence, gebräuchliche Röntgen-Einteilung der Arthrose-Schweregrade (0–4).
Knochenmarködem, Flüssigkeitseinlagerung im Knochen unter dem Knorpel; oft schmerzhaft und Vorbote sichtbarer Knorpelschäden.
Knorpelzelltransplantation (ACT/MACT), Verfahren, bei dem körpereigene, vermehrte Knorpelzellen in den Defekt eingebracht werden.
Kryotherapie, Kältebehandlung; lokal (Eis, gekühltes Gas) oder als Ganzkörper-Kältekammer. Wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend, besonders bei aktivierter Arthrose.
L
Leucin, Eiweißbaustein und „Startsignal" für den Muskelaufbau; wichtig für die „Leucin-Schwelle" pro Mahlzeit.
LPS (Lipopolysaccharid), Endotoxin aus der Hülle bestimmter Darmbakterien; kann Entzündung fördern.
M
mBMS (matrixaugmentierte Knochenmarkstimulation), Weiterentwicklung der Knochenmarkstimulation: Über den freigesetzten Reparaturzellen wird zusätzlich eine Trägermatrix (Membran) aufgebracht, die das entstehende Reparaturgewebe schützt und führt.
Meniskus, halbmondförmiger Faserknorpel im Knie (Innen- und Außenmeniskus), der als Puffer wirkt.
Mikro-/Nanofrakturierung, knochenmarkstimulierende Verfahren: winzige Öffnungen im Knochen setzen Reparaturzellen frei.
Minced Cartilage, Verfahren, bei dem körpereigener Knorpel zerkleinert und in den Defekt eingebracht wird.
MMP (Matrix-Metalloproteinasen), Enzyme, die die Knorpelmatrix abbauen.
MPFL (mediales patellofemorales Ligament), Halteband, das die Kniescheibe an der Innenseite führt; die MPFL-Plastik ersetzt es und stabilisiert die Kniescheibe bei wiederkehrender Verrenkung.
MRT (Kernspintomographie), strahlungsfreie Bildgebung, die Knorpel, Bänder und Knochen darstellt.
MSC (mesenchymale Stromazellen, oft „mesenchymale Stammzellen" genannt), körpereigene Vorläuferzellen aus Knochenmark, Fettgewebe oder anderen Quellen. Der Begriff „Stammzelle" ist hier missverständlich: Fachlich spricht man von Stromazellen, weil sie sich im Gelenk nicht wie echte Stammzellen verhalten. Sie wirken vor allem als eine Art Signalzellen, die über Botenstoffe die Entzündung regulieren, statt selbst neuen Knorpel zu bilden.
N
NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika), entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen; als Gel oder Tablette.
O
OATS / Knorpel-Knochen-Transplantation, Verpflanzung eines Knorpel-Knochen-Zylinders in den Defekt.
Omega-3-Index, Anteil von EPA+DHA in den roten Blutkörperchen; Maß für die Omega-3-Versorgung (Ziel ≥ 8 %).
Orthese, stützendes Hilfsmittel (Schiene/Bandage) zur Entlastung oder Führung des Gelenks.
Osteophyt, knöcherner Anbau am Gelenkrand, typisch bei fortgeschrittener Arthrose.
Osteotomie / Achskorrektur, operative Umstellung der Beinachse, um ein überlastetes Gelenkkompartiment zu entlasten.
Outerbridge, ältere, einfache Einteilung von Knorpelschäden (Grad 0–4).
P
Piperin, Scharfstoff aus schwarzem Pfeffer; verbessert die Aufnahme von Curcumin, kann aber auch die Blutspiegel mancher Medikamente beeinflussen.
Polyacrylamid-Hydrogel, nicht abbaubares Gel (viel Wasser, wenig Polyacrylamid), das sich in die Gelenkinnenhaut integriert.
Proteoglykane, wasserbindende Bausteine des Knorpels; sorgen für seine Druckelastizität.
PRP (plättchenreiches Plasma), aus dem eigenen Blut gewonnenes Konzentrat der Blutplättchen und ihrer Wachstumsfaktoren.
PTOA (posttraumatische Arthrose), Gelenkverschleiß als Spätfolge einer Verletzung.
R
Radiofrequenzablation (RFA), Verödung schmerzleitender Gelenknerven (am Knie die Genikularnerven) mit Hochfrequenzstrom; die Wirkung ist zeitlich begrenzt, weil die Nerven nachwachsen.
Radiosynoviorthese (RSO), Verödung der entzündeten Gelenkinnenhaut mit einer ins Gelenk gespritzten, schwach radioaktiven Substanz (Beta-Strahler).
S
Stammzellen, unspezialisierte Zellen, die sich vermehren und zu verschiedenen Zelltypen entwickeln können. Wichtig: Die in der Knorpeltherapie als „Stammzellen" angebotenen Präparate enthalten meist mesenchymale Stromazellen (siehe MSC), also keine echten Stammzellen im strengen Sinn. Sie bilden im Gelenk kaum neuen Knorpel, sondern wirken vor allem als eine Art Signalzellen, die die Entzündung regulieren.
Subchondraler Knochen, die Knochenschicht direkt unter dem Knorpel; steht in ständigem Austausch mit ihm.
Supplemente, Nahrungsergänzungsmittel; rechtlich Lebensmittel, nicht Arzneimittel.
Synovia / Synovialmembran, die Gelenkinnenhaut; produziert die Gelenkflüssigkeit und reguliert Entzündung.
Synovitis, Entzündung der Gelenkinnenhaut.
T
TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation), Reizstrombehandlung zur Schmerzlinderung.
V
Viskosupplementation, „Zähflüssigkeits-Ergänzung"; das Prinzip hinter der Hyaluronsäure-Spritze.
W
WOMAC, gebräuchlicher Fragebogen, der Schmerz, Steifigkeit und Funktion bei Arthrose misst (häufiger Studien-Endpunkt).
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- Evidenzlandkarte →Wie gut die einzelnen Verfahren belegt sind.
- Grundlagen →Die Basics zu Knorpel und Arthrose.
- Konservative Therapie →Alle Behandlungen ohne Operation.
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