Konservative Therapie: was hilft, in welcher Reihenfolge

„Konservativ" heißt: alle Behandlungen außer der Operation. Bei Arthrose ist das nicht die zweite Wahl, sondern der erste und wichtigste Weg, die allermeisten Menschen kommen damit über viele Jahre gut zurecht. Diese Seite zeigt, welche Maßnahmen es gibt und in welcher Reihenfolge sie sinnvoll sind.

Die Basis zuerst: darin sind sich alle Leitlinien einig

Ob deutsche S3-Leitlinie, die europäische OARSI oder die amerikanische ACR: Alle nennen dieselbe Grundlage an erster Stelle, und keine davon ist ein Medikament.

  • Wissen und Selbstmanagement, verstehen, was Arthrose ist und was man selbst beeinflussen kann.
  • Bewegung und Krafttraining, die am besten belegte Einzelmaßnahme überhaupt.
  • Gewichtsmanagement, bei Übergewicht der stärkste Hebel.

Diese drei bilden das Fundament. Erst wenn sie nicht ausreichen, kommen die weiteren Stufen dazu, sie ersetzen die Basis nie, sie ergänzen sie.

→ Ausführlich: Was Sie selbst tun können

Die Stufen im Überblick

Stufe Maßnahme Wann
1 · Basis Wissen, Bewegung & Krafttraining, Gewicht immer, die Grundlage jeder Behandlung
2 · Physiotherapie angeleitete Kräftigung, Beweglichkeit, Koordination früh und begleitend, sobald Beschwerden bestehen
3 · Physikalische Therapie Wärme/Kälte, ggf. Elektrotherapie begleitend, zur Linderung
4 · Medikamente zuerst NSAR-Gel, dann Tabletten (niedrig, kurz) wenn Beschwerden trotz Basis bestehen
5 · Hilfsmittel Gehhilfen, Orthesen, Einlagen begleitend, je nach Situation
6 · Gelenkdistraktion (konservativ) entlastende Zugbehandlung (Traktion) ergänzend bei anhaltenden Beschwerden
7 · Spritzen Kortison (Schübe), ggf. Hyaluronsäure, biologische Verfahren, Arthrosamid wenn die Stufen davor nicht ausreichen
8 · Interventionelle Verfahren Nervenverödung, Embolisation, Radiosynoviorthese minimalinvasiv, wenn konservativ ausgereizt ist und eine OP (noch) keine Option ist

Die Reihenfolge ist ein Rahmen, kein starres Schema, die Behandlung wird individuell zusammengestellt.

Die Behandlungen im Einzelnen

Spritzen ins Gelenk: die Optionen im Vergleich

Es gibt verschiedene Substanzen, die direkt ins Gelenk gespritzt werden können. Sie verfolgen unterschiedliche Ziele, von der schnellen Entzündungshemmung bis zur langfristigen Veränderung der Gelenkinnenhaut. Wichtig vorweg: Keine dieser Spritzen baut Knorpel auf. Ihr Nutzen ist, wo vorhanden, eine Linderung von Schmerz und Beschwerden, und keine ersetzt die Basis aus Bewegung, Krafttraining und Gewichtsmanagement.

Verfahren Wirkprinzip (vereinfacht) Typische Anwendung Evidenz / Leitlinie Gut zu wissen
Kortison (Kortikosteroid) Starker, schneller Entzündungshemmer Einzelspritze, kurzfristig, nicht oft wiederholen Kurzfristig (ca. 1–6 Wochen) am besten belegt; bedingt empfohlen Schnelle, aber kurze Wirkung; zu häufige Gabe vermeiden
Hyaluronsäure Schmierung und mildes Entzündungssignal an der Gelenkinnenhaut Eine quervernetzte Spritze oder Serie aus meist 3 Umstritten: OARSI bedingt dafür (Knie), ACR eher dagegen, deutsche S3 neutral Kein Knorpelaufbau; an der Hüfte ungünstig
Arthrosamid (Polyacrylamid-Hydrogel) Integriert sich dauerhaft in die Gelenkinnenhaut Eine Spritze, langanhaltend Symptomatisch; plausibel bis moderat, v. a. gegen Hyaluronsäure geprüft; eher bei Grad 3–4 Wird nicht abgebaut; 10-Jahres-Daten mit gutem Sicherheitsprofil
PRP (plättchenreiches Plasma) Wachstumsfaktoren aus den eigenen Blutplättchen Kurze Serie S3: bedingt empfohlen; international teils der Kortisonspritze überlegen; kein bestimmtes Verfahren bevorzugt Eigenblut, kaum Allergien; Präparate sehr uneinheitlich
Interleukin-Therapie (autologes konditioniertes Serum, ACS) Körpereigener Entzündungs-Blocker (gegen Interleukin-1) Serie Durch RCT gestützt; im europäischen ESSKA-Konsens unter den Blutprodukten geführt Eigenblut; weniger Studien als PRP
Kombipräparate Zwei Prinzipien in einer Spritze (z. B. PRP und Hyaluronsäure oder Hyaluronsäure und Kortison) je nach Präparat Zusatznutzen der Kombination nicht gesichert Evidenz der Einzelstoffe gilt nicht automatisch für die Mischung

Ein praktischer Unterschied betrifft den Schweregrad: Hyaluronsäure, PRP und die Interleukin-Therapie werden vor allem bei leichter bis mittelgradiger Arthrose (Grad 2–3) eingesetzt, Arthrosamid eher bei fortgeschrittener Arthrose (Grad 3–4).

Für welche Spritze (wenn überhaupt) Sie infrage kommen, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Die meisten dieser Behandlungen sind in Deutschland Selbstzahlerleistungen. Bei allen gilt: geringes Infektionsrisiko, Kontraindikationen beachten.

Kurz gesagt: Überblick

Konservativ ist bei Arthrose der Hauptweg, nicht die Notlösung. Die Basis, Wissen, Bewegung, Gewicht, steht an erster Stelle und ist am besten belegt. Physikalische Therapie, Medikamente, Spritzen und Hilfsmittel ergänzen sie stufenweise, je nach Beschwerden.

+  Autor & fachliche Prüfung

Autor

Dr./Univ. Libre de Bruxelles Heino Kniffler

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Mitglied der QKG (Gesellschaft für Knorpelregeneration & Gelenkerhalt)

Fachlich gegengelesen von

Dr. med. Klaus Ruhnau

Facharzt für Orthopädie und Chirurgie
Mitglied der QKG (Gesellschaft für Knorpelregeneration & Gelenkerhalt)

Zuletzt geprüft: Juli 2026 · Nächste Prüfung: Juli 2028

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