Leitbild und Ziele
Aus Sicht der QKG-Mitglieder erhalten knorpelreparative und gelenkerhaltende Therapieverfahren von Seiten der Krankenkassen zu wenig Aufmerksamkeit und Anerkennung. Das möchten wir ändern.
Unser Leitbild
Neben ihrem wissenschaftlichen Anspruch möchte die QKG praktische Hilfestellung leisten. Wir vermitteln im individuellen Dialog zwischen betroffenen Patientinnen und Patienten und erfahrenen niedergelassenen und in Kliniken tätigen Kolleginnen und Kollegen sowie engagierten Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten. Durch geeignete Öffentlichkeitsarbeit möchten wir den knorpelregenerativen und Gelenk erhaltenden operativen und konservativen Therapien einen angemessenen Platz in der Gesundheitsversorgung verschaffen.
Dazu gehört, den Wissensstand betroffener Patientinnen und Patienten, interessierter Kolleginnen und Kollegen und der Physiotherapie zu ergänzen, insbesondere zu:
- Indikationen
- Heilungschancen und Risiken sowie der Bewertung von Alternativen
- Art der Verfahren
- Kostenerstattung
- Zulassung der Verfahren
Das Ziel der QKG ist die Verbesserung der Patientenversorgung in der orthopädischen konservativen und operativen Therapie, im Besonderen die Vermeidung bzw. Verminderung gelenkersatzpflichtiger Arthrosen.
Bei Knorpelschäden gehen Bildbefund und Beschwerden oft auseinander, und die Zahl der Verfahren ist groß. Genau deshalb braucht es einen fachlichen Konsens statt Einzelmeinungen. Die QKG bündelt die Erfahrung spezialisierter Zentren und stützt ihre Empfehlungen auf systematische Übersichtsarbeiten hoher Evidenzstufe. Ziel ist, dass Patientinnen und Patienten unabhängig vom einzelnen Behandler eine nachvollziehbare, gut begründete Empfehlung erhalten, und dass gelenkerhaltende Wege dort genutzt werden, wo sie sinnvoll sind (mehr dazu unter warum sich Gelenkerhalt lohnt).
Warum das nötig ist
Beispiel Kniegelenk: Knorpelläsionen werden bei 61 bis 67 % aller Kniegelenksarthroskopien festgestellt; je nach Defektgrad sollten 5 bis 11 % dieser Fälle einer spezifischen, chirurgisch-regenerativen Therapie zugeführt werden. Da Knorpelgewebe nicht von selbst heilt und Läsionen durch Entzündungsprozesse fortschreiten, können sie langfristig in eine generalisierte Arthrose übergehen. Von dieser sind in den westlichen Industriestaaten rund 25 % der Bevölkerung betroffen. Gelenkerhalt ist damit auch ein volkswirtschaftliches Thema.
Der Nutzen einer frühzeitigen Behandlung ist erheblich: Bei flächendeckender, rechtzeitiger Anwendung der matrixassoziierten Knorpelzelltransplantation (mACT) bei lokalisierten Knorpelschäden ließen sich nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis bis zu 21 % aller primären Knie-Endoprothesen vermeiden. Genau hier setzt die QKG an.
Hinzu kommt: Wer eine sinnvolle Behandlung aufschiebt, riskiert, dass der Schaden wächst. In einer Untersuchung vergrößerten sich Knorpelläsionen im Schnitt um rund 0,11 cm² pro Monat, während die Betroffenen auf die Operation warteten, und bei etwa 16 % entstand in dieser Wartezeit ein weiterer schwerer Knorpelschaden. Das unterstreicht, warum eine rechtzeitige, gut begründete Entscheidung zählt.
Beispiel Hüftgelenk: Präarthrotische Deformitäten, das sind Formstörungen des Hüftgelenkes wie die Hüftdysplasie und das Hüftimpingement (FAI = femuroazetabuläres Impingement), sind in 25 bis 50 % die Ursache von Hüft-Arthrose und Knorpelschäden am Hüftgelenk, was bei den betroffenen Patienten häufig in jungen Jahren zum Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenkes führen kann. Wissenschaftliche Studien belegen, dass die frühe operative Korrektur dieser Fehlstellungen die Entstehung des Gelenkverschleißes und Knorpelschäden verhindern oder aber zumindest deutlich hinauszögern kann. Diese Therapien sind allerdings im Vergleich zu angloamerikanischen Ländern in der DACH-Region in den Kassensystemen deutlich unterfinanziert. Dies führt zu Unterversorgung und auch Ausbildungsdefiziten und kann wegen finanziellen Fehlanreizen für das Einsetzen künstlicher Gelenke zu entsprechenden negativen Folgen für die Bevölkerung führen. Auch hier engagiert sich die QKG, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.
Unsere Ziele
Die QKG verfolgt deshalb die folgenden Ziele:
- Verbreitung erfolgreicher knorpelrekonstruktiver und gelenkerhaltender Verfahren
- Erarbeitung verständlicher und praktikabler Standards zu Indikation, Therapie und Nachbehandlung
- Hilfestellung für Patientinnen und Patienten, Niedergelassene und Klinik
- Verbesserung der Kommunikation zwischen Patientin oder Patient, Ärztin oder Arzt und Physiotherapie
- kritische klinische Bewertung etablierter und neuer Verfahren zur konservativen und operativen Behandlung im Gelenkerhalt
- Unterstützung von Studien und des DART-Registers (ehem. Knorpelregister), insbesondere multizentrischer Anwendungsbeobachtungen und Studien in Kooperation mit niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen
- regelmäßige Mitgliedertreffen zur Förderung des fachlichen Dialogs und zur Initiierung von Projekten, vor allem in der Öffentlichkeitsarbeit (Vorträge, Flyer, Pressearbeit)
- Stärkung der gelenkerhaltenden Therapien innerhalb des Berufsstandes
Wie sich die QKG dafür berufspolitisch einsetzt, lesen Sie unter Berufspolitik & Positionen.
Kurz gesagt: Leitbild und Ziele
Viele Menschen mit einem behandelbaren Knorpelschaden und Gelenkveränderungen erhalten nicht die passende Therapie. Die QKG will das ändern: durch Standards, Aufklärung, den Dialog zwischen Patientin oder Patient, Ärztin oder Arzt und Physiotherapie sowie durch die Stärkung gelenkerhaltender Verfahren im Berufsstand.
+ Quellen
- Empfehlungen des Expertenkreises Gelenkserhalt und Knorpelregeneration Österreich zur Behandlung von Knorpelschäden am Kniegelenk, in Kooperation mit der ÖGOuT (Sektion Sport- und gelenkerhaltende OT: Knie) und der QKG (Gesellschaft für Knorpelregeneration und Gelenkerhalt), 2025.
- Vogelmann T, Roessler PP, Buhs M, et al. Long-term cost-effectiveness of matrix-associated chondrocyte implantation in the German health care system: a discrete event simulation. Arch Orthop Trauma Surg. 2022. doi:10.1007/s00402-022-04613-z.
- Büchler et al. Clin Orthop Relat Res. 2021.
- Agricola R, Heijboer MP, Bierma-Zeinstra SMA, Verhaar JAN, Weinans H, Waarsing JH. Cam impingement causes osteoarthritis of the hip: a nationwide prospective cohort study (CHECK). Ann Rheum Dis. 2013;72(6):918–923.
- Thomas et al. Osteoarthritis and Cartilage. 2014.
- Leide R, Bohman A, Wenger D, Overgaard S, Tiderius CJ, Rogmark C. Hip dysplasia is not uncommon but frequently overlooked: a cross-sectional study based on radiographic examination of 1,870 adults. Acta Orthop. 2021;92(5):575–580.
- Oner A, Koksal A, Sofu H. The prevalence of femoroacetabular impingement as an aetiologic factor for end-stage degenerative osteoarthritis of the hip joint: analysis of 1,000 cases. Hip Int. 2016;26(2):164–168.
- Angele P, Zellner J, Schröter S, et al. Biological Reconstruction of Localized Full-Thickness Cartilage Defects of the Knee: A Systematic Review of Level 1 Studies with a Minimum Follow-Up of 5 Years. Cartilage. 2022;13(4):5–18.
- Angenent L, Jeuken RM, Caron JJ, et al. Joint preserving treatments of the knee. Ned Tijdschr Geneeskd. 2024;168:D8267.
- Husen M, Custers RJ, Hevesi M, et al. Size of cartilage defects and the need for repair: a systematic review. J Cartilage Joint Preserv. 2022;2(3):100049.
- Roos EM, Arden NK. Strategies for the prevention of knee osteoarthritis. Nat Rev Rheumatol. 2016;12(2):92–101.
- Pettit RJ, Everhart JS, DiBartola AC, et al. Time Matters: Knee Cartilage Defect Expansion and High-Grade Lesion Formation while Awaiting Autologous Chondrocyte Implantation. Cartilage. 2021;13(2 Suppl):1802S–1808S.
+ Autor & fachliche Prüfung
Autor
Dr./Univ. Libre de Bruxelles Heino Kniffler
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Mitglied der QKG (Gesellschaft für Knorpelregeneration & Gelenkerhalt)
Fachlich gegengelesen von
Dr. med. Wolfgang Zinser
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Vorstandsvorsitzender der QKG (Gesellschaft für Knorpelregeneration & Gelenkerhalt)
Zuletzt geprüft: Juli 2026 · Nächste Prüfung: Juli 2028