Interventionelle Verfahren bei Arthrose: vier Optionen, nüchtern eingeordnet

Wenn Bewegung, Krafttraining, Gewichtsmanagement, Medikamente, Injektionen und die Gelenkdistraktion nicht ausreichend helfen, ein künstliches Gelenk aber (noch) nicht infrage kommt, rücken minimalinvasive Verfahren in den Blick. Alle behandeln den Schmerz, keines baut Knorpel auf oder hält die Arthrose auf. Und alle sollten Sie nur nach sorgfältiger Beratung in einem erfahrenen Zentrum erwägen.

Diese Verfahren sind unterschiedlich gut belegt: Die Nervenverödung und die Embolisation stehen in keiner deutschen oder internationalen Leitlinie. Die Radiosynoviorthese ist dagegen, für einen bestimmten Fall (aktivierte Arthrose mit anhaltender Gelenkentzündung), als Off-Label-Option in der deutschen S3-Leitlinie verankert. Die Röntgenreizbestrahlung wird zwar von den gesetzlichen Kassen bezahlt, ihr spezifischer Nutzen ist in schein-kontrollierten Studien aber nicht belegt. Keines ist ein Standard der Erstbehandlung. Ob eines für Sie sinnvoll ist, ist eine Einzelfallentscheidung, gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt mit Erfahrung auf diesem Gebiet.

Die vier Verfahren auf dieser Seite: Gekühlte Radiofrequenzablation der Gelenknerven · Genikulararterien-Embolisation · Radiosynoviorthese · Röntgenreizbestrahlung

Gekühlte Radiofrequenzablation der Gelenknerven

Bei diesem Verfahren werden die kleinen Nerven, die Schmerzsignale vom Gelenk zum Gehirn leiten, gezielt verödet. Am häufigsten, und am besten untersucht, ist die Behandlung am Kniegelenk (dort die Genikularnerven); grundsätzlich wird sie aber auch an anderen Gelenken eingesetzt, etwa an Hüfte, Schulter, Iliosakralgelenk (ISG) und den kleinen Wirbelgelenken (Facettengelenken). Wir nehmen im Folgenden das Knie als Beispiel, weil es die mit Abstand häufigste Anwendung ist. Über eine feine Sonde wird Hochfrequenzstrom eingesetzt, der das Gewebe an der Sondenspitze erhitzt und die Nerven ausschaltet. Bei der gekühlten Variante wird die Sondenspitze innen mit Wasser gekühlt, dadurch entsteht eine größere Verödungszone, ohne dass die Spitze selbst zu heiß wird.

Wichtig zu verstehen: Die Nerven wachsen mit der Zeit wieder nach. Die Schmerzlinderung ist also von vornherein zeitlich begrenzt; nach Monaten bis wenigen Jahren kann der Schmerz zurückkehren, und das Verfahren lässt sich grundsätzlich wiederholen.

Für wen kommt es infrage? Diskutiert wird es vor allem für Menschen mit anhaltenden Knieschmerzen bei fortgeschrittener Arthrose, die auf konservative Maßnahmen nicht ausreichend ansprechen und für die ein Gelenkersatz nicht gewünscht oder nicht möglich ist. Vor der eigentlichen Behandlung wird oft mit einer probeweisen Betäubung der Nerven getestet, ob überhaupt eine Schmerzlinderung zu erwarten ist.

Was zeigt die Evidenz? Mehrere randomisierte Studien fanden eine Schmerzlinderung, in einzelnen Vergleichen besser als eine Hyaluronsäure-Spritze, mit Wirksamkeitsdaten teils über zwei Jahre. Neuere zusammenfassende Auswertungen relativieren das jedoch: Der Nutzen ist vor allem kurzfristig (etwa 4 bis 12 Wochen) gut erkennbar, längerfristig wird er unsicherer, und die Gesamtqualität der Studien ist begrenzt. In der amerikanischen ACR-Leitlinie 2019 wird das Verfahren mit Einschränkung („bedingt") als Option genannt; die europäischen und deutschen Leitlinien führen es nicht.

Kostenübernahme: Die gekühlte Radiofrequenzablation wird ambulant als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL, Selbstzahler) erbracht; sie ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen.

+  Für medizinisch Interessierte: Radiofrequenzablation im Detail

Die gekühlte RFA (Sondentemperatur am Gewebe-Interface ca. 60 °C) erzeugt größere, sphärische Läsionen als die konventionelle monopolare RFA und erfasst so die anatomisch variablen Genikularnerven zuverlässiger. Zielpunkte sind klassischerweise die Nn. geniculares superior medialis, superior lateralis und inferior medialis; die Platzierung erfolgt bildgestützt (Durchleuchtung und/oder Ultraschall). Eine aktuelle Metaanalyse zu genikularnerv-gerichteten Interventionen (Osteoarthritis and Cartilage, 2025) berichtet moderate Schmerzreduktion gegenüber Sham bei 4 und 12 Wochen, aber keinen belegten Vorteil bei 24 und 48 Wochen und keine konsistente Funktionsverbesserung; Evidenzsicherheit niedrig bis sehr niedrig. Wirksamkeit und Dauer hängen von Technik, Zielpunktwahl und Reinnervation ab. [1][2][3]

Kurz gesagt: Nervenverödung

Das Verfahren verödet die schmerzleitenden Kniegelenksnerven und kann Schmerzen vorübergehend lindern, die Nerven wachsen aber nach, die Wirkung ist zeitlich begrenzt. Es baut keinen Knorpel auf. Eine Option für ausgewählte Patienten, wenn anderes nicht hilft und keine Prothese infrage kommt. Evidenz: kurzfristig belegt, langfristig unsicher.

Evidenz-Ampel: plausibel, kurzfristig belegt, langfristiger Nutzen unsicher

Genikulararterien-Embolisation (Mikroembolisation)

Bei diesem Verfahren wird über einen dünnen Katheter (meist über die Leiste eingeführt) gezielt nach krankhaft neu gebildeten kleinen Blutgefäßen in der entzündeten Gelenkinnenhaut gesucht. Diese neuen Gefäße (Neovaskularisation) gehen mit Entzündung und mit Nervenfasern einher und gelten als eine Ursache des Arthroseschmerzes. Werden sie mit winzigen Partikeln verschlossen (embolisiert), soll die Entzündung und damit der Schmerz zurückgehen. Am häufigsten wird das Verfahren am Knie (Genikulararterien) durchgeführt; Anwendungen an Schulter und Hüfte sind beschrieben, aber noch seltener untersucht.

Was zeigt die Evidenz? Und hier ist Ehrlichkeit wichtig: Frühe Studien ohne Kontrollgruppe sahen vielversprechend aus. Doch die entscheidenden Studien sind solche, die gegen ein Scheinverfahren (Sham) verblindet vergleichen, denn gerade bei Schmerz ist der Placebo-Effekt groß. Die beiden neuesten dieser Sham-kontrollierten Studien fanden keinen bedeutsamen Vorteil der Embolisation gegenüber dem Scheineingriff, der wichtigste Zielwert (Knieschmerz nach 12 Monaten) unterschied sich nicht. Das legt nahe, dass ein großer Teil der berichteten Besserung auf dem Placebo-Effekt beruhen könnte.

Sicherheit: Das Verfahren gilt als komplikationsarm. Am häufigsten sind vorübergehende Hautverfärbungen (etwa jede zehnte Behandlung) und kleinere Blutergüsse; schwere Komplikationen sind selten.

Einordnung: Das Konzept ist interessant und wird weiter erforscht. Nach der derzeit besten Evidenz ist die Mikroembolisation aber ein experimentelles Verfahren, dessen Wirksamkeit über den Placebo-Effekt hinaus nicht überzeugend belegt ist. Sie steht in keiner Leitlinie.

Kostenübernahme: Die Mikroembolisation kann nur stationär durchgeführt werden; in diesem stationären Rahmen wird sie von den gesetzlichen Kostenträgern getragen.

+  Für medizinisch Interessierte: Embolisation im Detail

Zielstruktur sind die genikulären Arterien mit periartikulärer Neoangiogenese; embolisiert wird mit Mikropartikeln oder resorbierbaren Agenzien (Imipenem/Cilastatin in einzelnen Serien). Ein systematischer Review Sham-kontrollierter RCTs (2025) schloss drei Studien mit zusammen 138 Patienten ein: Die erste zeigte positive Effekte, die beiden neueren keinen signifikanten Unterschied zum Sham; KOOS-Schmerz nach 12 Monaten ohne relevanten Gruppenunterschied. Häufigste unerwünschte Ereignisse: transiente Hautverfärbung (~11 %), Hämatom (~3 %). Gesamtevidenz: sehr niedrig bis niedrig. Interpretation in der Fachliteratur: „when the hype doesn't match the evidence". [4][5][6]

Wenn Ihnen dieses Verfahren angeboten wird, fragen Sie gezielt nach den Ergebnissen der Sham-kontrollierten Studien und danach, ob die Behandlung im Rahmen einer Studie erfolgt. Ein hoher Preis oder eine überzeugende Erzählung ersetzen keinen belegten Wirknachweis.

Kurz gesagt: Mikroembolisation

Das Verfahren verschließt krankhafte kleine Blutgefäße im entzündeten Gelenk. Die Idee ist interessant, aber die besten (Sham-kontrollierten) Studien zeigen keinen überzeugenden Vorteil gegenüber einem Scheineingriff. Nebenwirkungen sind selten. Derzeit ein experimentelles Verfahren, kein Standard.

Evidenz-Ampel: experimentell, kontrollierte Evidenz ernüchternd

Radiosynoviorthese (RSO)

Bei der Radiosynoviorthese wird eine schwach radioaktive Substanz (ein sogenannter Beta-Strahler) direkt ins Gelenk gespritzt. Sie wird von der entzündeten Gelenkinnenhaut aufgenommen; die kurzreichweitige Strahlung verödet das entzündete Gewebe und vermindert so Erguss, Schwellung und Schmerz. Der Effekt entwickelt sich langsam über zwei bis drei Monate und ist auf Dauer angelegt, nicht auf schnelle Linderung.

Entscheidend ist die richtige Auswahl: Die Radiosynoviorthese zielt gezielt auf die aktivierte Arthrose mit anhaltender Gelenkentzündung (Synovitis), nicht auf jede Arthrose. Ohne nachweisbare Entzündung der Gelenkinnenhaut ist sie nicht sinnvoll.

Was sagt die Leitlinie? Anders als Nervenverödung und Embolisation ist die Radiosynoviorthese in der deutschen S3-Leitlinie Gonarthrose verankert, als Off-Label-Option und mit starkem Expertenkonsens:

  • Bei früher Arthrose (Kellgren-Lawrence I–II) mit anhaltender Synovitis kann sie erwogen werden, wenn medikamentöse, orthopädietechnische und physiotherapeutische Behandlung versagt haben.
  • Bei fortgeschrittener Arthrose (Grad III–IV) mit anhaltender Synovitis kann sie empfohlen werden, wenn Operationen nicht möglich und andere schmerztherapeutische Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind.

Was zeigt die Evidenz? Große doppelblinde Vergleichsstudien fehlen auch hier. Die Langzeit-Beobachtungsdaten sind aber ordentlich: In einer Studie hatten bei früher Arthrose (Grad I–II) rund 82 % der behandelten Gelenke nach einem Jahr einen guten bis sehr guten Effekt auf Schmerz, Beweglichkeit und Funktion, und bei einem großen Teil hielt dieser über Jahre an. Bei fortgeschrittener Arthrose (Grad III) sanken die Erfolgsraten auf gut 40 %. Der Erfolg hängt also stark vom Ausmaß der knöchernen Schädigung ab, je früher das Stadium, desto besser die Aussicht.

Kostenübernahme: Die Radiosynoviorthese wird ambulant als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen erbracht und von diesen erstattet.

+  Für medizinisch Interessierte: Radiosynoviorthese im Detail

Verwendet werden kolloidale Beta-Strahler je nach Gelenkgröße, am Knie Yttrium-90-Citrat, an kleineren Gelenken Rhenium-186-Sulfid oder Erbium-169-Citrat. Die Radiopharmaka werden von oberflächlichen Synoviozyten phagozytiert; die hochenergetische Korpuskularstrahlung kurzer Reichweite führt zu Zellnekrose und Fibrosierung der Membrana synovialis, dadurch zu verminderter Erguss- und Blutungsneigung und Schmerzreduktion über 2–3 Monate. Die 2-Phasen-Skelettszintigraphie (Weichteilphase) hilft, Gelenke mit hoher bzw. niedriger Erfolgswahrscheinlichkeit zu unterscheiden. S3-Empfehlungen 187-050: Expertenkonsens (EK), Off-Label-Use, 100 % Konsens; Erfolgsraten nach Szentesi et al.: KL I–II ca. 82,5 % (1 J.) bzw. 73,3 % (8 J.), KL III 45,9 %/41,2 %. Kontraindikationen (Schwangerschaft, Stillzeit, lokale Infektion, ausgeprägte Instabilität) und Strahlenschutz/Ruhigstellung nach Applikation beachten. [7]

Kurz gesagt: Radiosynoviorthese

Eine ins Gelenk gespritzte schwach radioaktive Substanz verödet die entzündete Gelenkinnenhaut. Sinnvoll nur bei aktivierter Arthrose mit anhaltender Entzündung; die Wirkung baut sich über Monate auf und hält lange. Als einziges der drei Verfahren ist sie in der S3-Leitlinie verankert (Off-Label). Große kontrollierte Studien fehlen, die Langzeit-Beobachtungsdaten sind aber gut, am besten in frühen Stadien.

Evidenz-Ampel: leitlinienbasiert (Off-Label), gute Langzeit-Beobachtungsdaten, kontrollierte Studien fehlen

Röntgenreizbestrahlung (niedrigdosierte Strahlentherapie)

Bei der Röntgenreizbestrahlung wird das schmerzende Gelenk von außen mit einer sehr niedrigen Dosis Röntgenstrahlung behandelt, ein Bruchteil dessen, was in der Krebstherapie eingesetzt wird. Üblich sind mehrere kurze Sitzungen über zwei bis drei Wochen (typischerweise sechs Bestrahlungen von je 0,5–1 Gy). Die Strahlung soll entzündungshemmend wirken und dadurch den Schmerz lindern. Wie bei allen Verfahren dieser Seite gilt: Sie baut keinen Knorpel auf und hält die Arthrose nicht auf.

Warum wir sie überhaupt aufführen: Sie ist in Deutschland weit verbreitet, wird ambulant durchgeführt und (anders als die meisten anderen Verfahren dieser Seite) von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Was zeigt die Evidenz? Und hier klaffen Praxis und gute Studien auffällig auseinander. Strahlentherapie-Zentren und ältere, rückblickende Auswertungen berichten hohe Ansprechraten, oft 50 bis 90 % Schmerzbesserung. Diese Studien haben aber keine Scheinbehandlungs-Kontrolle, und gerade bei Schmerz ist der Placebo-Effekt groß. Die aussagekräftigeren Studien, die doppelblind gegen eine Scheinbestrahlung vergleichen, fallen ernüchternd aus: Zwei niederländische Studien (Knie- und Fingerarthrose) fanden keinen Vorteil gegenüber der Scheinbestrahlung, auch nicht nach zwölf Monaten. Die Autoren führen die in der Praxis berichteten Erfolge auf den Placebo-Effekt und auf statistische Regression zurück. Eine deutsche Studie (ArthroRad) verglich eine wirksame mit einer sehr niedrigen „Quasi-Schein"-Dosis und fand keinen Dosisunterschied, beide Gruppen besserten sich ähnlich, was ebenfalls für einen unspezifischen Effekt spricht.

Sicherheit: Akut ist die Behandlung nebenwirkungsarm, gelegentlich eine vorübergehende Hautrötung oder eine kurze Schmerzverstärkung. Wegen einer sehr geringen, aber theoretisch möglichen Langzeitwirkung der Strahlung (Krebsrisiko) wird sie üblicherweise erst ab dem mittleren Lebensalter eingesetzt und bei jüngeren Menschen zurückhaltend gehandhabt.

Kostenübernahme: Die Röntgenreizbestrahlung wird ambulant durchgeführt und ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen.

+  Für medizinisch Interessierte: Röntgenreizbestrahlung im Detail

Übliches Schema: 6 Fraktionen à 0,5–1,0 Gy (Gesamtdosis ~3–6 Gy) über 2–3 Wochen, ggf. Wiederholung nach Monaten. Postulierter Wirkmechanismus niedriger Dosen: antiinflammatorisch über Modulation der Leukozyten-Endothel-Adhäsion, Induktion von TGF-β, Reduktion reaktiver Sauerstoffspezies/iNOS und Apoptose aktivierter Makrophagen. Kontrollierte Evidenz: zwei doppelblinde, sham-kontrollierte RCTs (Minten et al., Knie und Hand, 2018) ohne Vorteil gegenüber Sham; das Langzeit-Follow-up beider Studien (Lancet Rheumatology 2019) bestätigt fehlenden Nutzen nach 12 Monaten und keinen verzögerten Effekt. Die ArthroRad-Studie (multizentrisch, einfachverblindet, Dosisvergleich; Strahlenther Onkol 2024) zeigte keine Dosisabhängigkeit, konsistent mit einem unspezifischen/Placebo-Effekt. Dem stehen zahlreiche retrospektive Serien mit 50–90 % Ansprechen gegenüber (Selektions- und Regressionseffekte). Die DEGRO-Leitlinie zu gutartigen Erkrankungen führt die niedrigdosierte Radiotherapie als Option; die orthopädischen Arthrose-Leitlinien (S3, OARSI, ACR) nennen sie nicht. Strahlenhygiene: stochastisches Malignomrisiko gering, Anwendung dennoch bevorzugt jenseits des mittleren Lebensalters. [8][9][10][11]

Kurz gesagt: Röntgenreizbestrahlung

Eine niedrigdosierte Bestrahlung des Gelenks von außen, entzündungshemmend gedacht. Wird von der gesetzlichen Kasse bezahlt und ist akut nebenwirkungsarm. Praxis und Beobachtungsstudien berichten hohe Erfolgsraten, die besten (schein-kontrollierten) Studien zeigen aber keinen Vorteil gegenüber einer Scheinbestrahlung. Ein vertretbarer Versuch bei älteren Patienten, wenn anderes nicht hilft; ein Wundermittel ist es nicht.

Evidenz-Ampel: umstritten, GKV-Leistung und akut risikoarm, ein spezifischer Nutzen über den Placebo-Effekt hinaus ist aber nicht belegt (schein-kontrollierte Studien negativ)

Das Wichtigste auf einen Blick

## Was Sie mitnehmen sollten Alle vier Verfahren lindern bestenfalls Schmerzen, sie heilen die Arthrose nicht und bauen keinen Knorpel auf. Am besten eingeordnet ist die Radiosynoviorthese: Bei aktivierter Arthrose mit anhaltender Entzündung ist sie eine leitliniengestützte Off-Label-Option mit guten Langzeitdaten. Die Nervenverödung hat kurzfristig eine gewisse Evidenz und kann für ausgewählte Patienten infrage kommen. Die Mikroembolisation ist nach heutiger Studienlage experimentell. Die Röntgenreizbestrahlung ist zwar eine Kassenleistung und akut risikoarm, ein spezifischer Nutzen über den Placebo-Effekt hinaus ist aber nicht belegt. Vor allen gilt: Bewegung, Krafttraining und Gewichtsmanagement sind die am besten belegten Maßnahmen, und die Grundlage jeder Behandlung.

+  Quellen
  1. Lyman J, Khalouf F, Zora K, DePalma M, Loudermilk E, Guirguis M, Beall D, Kohan L, Chen AF. Cooled radiofrequency ablation of genicular nerves provides 24-month durability in the management of osteoarthritic knee pain: outcomes from a prospective, multicenter, randomized trial. Pain Pract. 2022. doi:10.1111/papr.13139.
  2. Kwon HJ, Kim CS, Kim DH, Shin JW, Choi D, Choi SS. Effectiveness of the cooled radiofrequency ablation of genicular nerves in patients with chronic knee pain due to osteoarthritis: a double-blind, randomized, controlled study. Medicina (Kaunas). 2024;60(6):857. doi:10.3390/medicina60060857, Responder-Rate 76,5 % (RFA) vs. 33,3 % (Sham) nach 3 Monaten.
  3. Efficacy and safety of minimally invasive interventions targeting the genicular nerves for knee osteoarthritis: a meta-analysis. Osteoarthritis and Cartilage. 2025 (Artikel-ID S1063-4584(25)00823-4), 25 Studien, n=2049; RFA mit moderater Schmerzreduktion nach 4 und 12 Wochen, kein Unterschied bei 24/48 Wochen; Evidenzsicherheit niedrig bis sehr niedrig.
  4. Genicular artery embolization for knee osteoarthritis: a systematic review of sham-controlled randomized trials. J Clin Orthop Trauma. 2025. PMID 40766107, 3 Sham-kontrollierte RCTs, 138 Patienten; nur kurzfristige VAS-Besserung, KOOS ohne signifikanten Gruppenunterschied.
  5. Long-term outcomes of genicular artery embolization for knee osteoarthritis: 12-month efficacy and secondary outcomes from a randomized sham-controlled clinical trial. Eur Radiol. 2026. doi:10.1007/s00330-026-12505-8, GAE nach 12 Monaten nicht besser als Sham.
  6. Perspective: genicular artery embolization for knee osteoarthritis, when the hype doesn't match the evidence. 2025 (Kommentar), unkontrollierte Serien vielversprechend, die neueren Sham-RCTs jedoch ohne signifikanten Effekt gegenüber Placebo.
  7. S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Gonarthrose (AWMF 187-050), Fassung 2024/2025, Empfehlungen zur Radiosynoviorthese (Off-Label, Empf. 28/29). Datengrundlage u. a. Szentesi et al. zur RSO bei Gonarthrose.
  8. Minten MJM, Leseman-Hoogenboom MM, Kloppenburg M, et al. Lack of beneficial effects of low-dose radiation therapy on knee osteoarthritis symptoms and inflammation: a randomised, double-blind, sham-controlled trial. Osteoarthritis Cartilage. 2018;26(11):1283–1290. (Parallelstudie zur Fingerarthrose: Minten et al., 2018.)
  9. Minten MJM, et al. Long-term efficacy of low-dose radiation therapy on symptoms in patients with knee and hand osteoarthritis: follow-up results of two parallel randomised, sham-controlled trials. Lancet Rheumatol. 2019, kein Vorteil gegenüber Scheinbestrahlung nach 12 Monaten, kein verzögerter Effekt.
  10. ArthroRad-Studie: randomisierte, multizentrische, einfachverblindete Studie zur niedrigdosierten Radiotherapie bei schmerzhafter Arthrose, Endergebnisse nach 12 Monaten. Strahlenther Onkol. 2024;200(2):134–142, keine Dosisabhängigkeit.
  11. DEGRO-S2e-Leitlinie „Strahlentherapie gutartiger Erkrankungen" (v3.0, 2022), niedrigdosierte Radiotherapie als Option gelistet. Übersicht: The Use of Low-Dose Radiation Therapy in Osteoarthritis: A Review. Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2022.
+  Autor & fachliche Prüfung

Autor

Dr./Univ. Libre de Bruxelles Heino Kniffler

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Mitglied der QKG (Gesellschaft für Knorpelregeneration & Gelenkerhalt)

Fachlich gegengelesen von

Dr. med. Klaus Ruhnau

Facharzt für Orthopädie und Chirurgie
Mitglied der QKG (Gesellschaft für Knorpelregeneration & Gelenkerhalt)

Zuletzt geprüft: Juli 2026 · Nächste Prüfung: Juli 2028