Ursachen und Risikofaktoren
Arthrose hat selten eine einzige Ursache. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Für die Praxis ist die Unterscheidung besonders nützlich: Welche Faktoren kann ich beeinflussen – und welche nicht?
Was Sie nicht beeinflussen können
- Alter – der stärkste einzelne Risikofaktor
- Genetische Veranlagung – eine ererbte Minderbelastbarkeit des Knorpelgewebes
- Geschlecht und – wenn auch eher seltenere – hormonelle Faktoren – Frauen sind nach der Menopause häufiger betroffen, da der Mangel an Östrogen oft zu Knorpelabbau, Steifheit und Schmerzen führt
- Angeborene Fehlstellungen – etwa Hüftdysplasien und ausgeprägte, sich entwickelnde Achsabweichungen
- Stattgehabte Verletzungen – Kreuzband-, Meniskus-, Muskel-, Kollateralband- und Kapselverletzungen oder Gelenkfrakturen vergrößern das Risiko einer Arthroseentwicklung erheblich
Was Sie beeinflussen können
- Körpergewicht – mechanisch und über das hormonell aktive Fettgewebe
- Muskelkraft – kräftige Muskulatur verteilt Lasten und schützt das Gelenk
- Bewegungsmangel – Knorpel wird über Bewegung ernährt; zu wenig Bewegung schadet ihm
- Belastungssteuerung – nicht Sport an sich schadet, sondern anhaltende Fehl- und Überlastung
- Metabolische Gesundheit – Blutzucker, Blutfette, Blutdruck
- Rauchen und Alkohol – beeinträchtigen Heilung und Gewebequalität
Wie diese Faktoren konkret angegangen werden, steht unter Selbst aktiv werden.
+ Für medizinisch Interessierte
Die posttraumatische Arthrose (PTOA) verdient besondere Aufmerksamkeit: Nach vorderer Kreuzbandruptur oder Meniskusverletzung ist das Risiko für eine radiologisch nachweisbare Kniearthrose innerhalb von 10–20 Jahren deutlich erhöht – auch nach operativer Versorgung. Die initiale Traumakaskade mit Chondrozytenapoptose und akuter Zytokinfreisetzung gilt als Weichenstellung.
Klinisch bedeutsam ist ferner die Rolle der Achsdeformität: Eine varische Beinachse verschiebt die Lastverteilung nach medial und beschleunigt die Progression im medialen Kompartiment. Ohne Korrektur der Deformität ist der Erfolg knorpelregenerativer Verfahren limitiert.
Metabolische Faktoren wirken teils unabhängig vom BMI: Das metabolische Syndrom gilt als eigenständiger Risikofaktor, was die Assoziation von Adipositas mit einer Handarthrose erklärt.
Arthrose betrifft den ganzen Menschen
Arthrose ist mehr als ein lokales Gelenkproblem. Große Registerdaten zeigen, dass nach einer diagnostizierten Knie- oder Hüftarthrose das Risiko für weitere Erkrankungen erhöht ist – darunter Depression, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenschmerzen und Osteoporose, beim Kniegelenk zusätzlich Diabetes. [1] Ob die Arthrose diese Erkrankungen mitbedingt oder ob gemeinsame Ursachen wie Bewegungsmangel und Stoffwechselstörungen dahinterstehen, ist nicht abschließend geklärt. Klar ist aber: Wer in Bewegung bleibt und Gewicht sowie Stoffwechsel im Blick behält, tut damit nicht nur den Gelenken etwas Gutes, sondern der Gesundheit insgesamt.
Kurz gesagt — Ursachen und Risikofaktoren
Alter, Gene, Geschlecht und frühere Verletzungen lassen sich nicht ändern. Gewicht, Muskelkraft, Bewegung, Belastungssteuerung und Stoffwechsel dagegen sehr wohl – und genau diese Faktoren bestimmen einen großen Teil des Verlaufs.
+ Quellen
- Dell'Isola A, Pihl K, Turkiewicz A, et al. Risk of comorbidities following physician-diagnosed knee or hip osteoarthritis: a register-based cohort study. Arthritis Care & Research. 2022. (Band/Seiten/DOI beim Finalisieren ergänzen.)
+ Autor & fachliche Prüfung
Autor
Dr./Univ. Libre de Bruxelles Heino Kniffler
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Mitglied der QKG – Gesellschaft für Knorpelregeneration & Gelenkerhalt
Fachlich gegengelesen von
Dr. med. Klaus Ruhnau
Facharzt für Orthopädie und Chirurgie
Mitglied der QKG – Gesellschaft für Knorpelregeneration & Gelenkerhalt
Zuletzt geprüft: Juli 2026 · Nächste Prüfung: Juli 2028